Leitbild

Leitspruch der Sozialethik

Heilsam ist nur, wenn

Im Spiegel der Menschenseele

Sich bildet die ganze Gemeinschaft

Und in der Gemeinschaft

Wirket der Einzelseele Kraft

(Rudolf Steiner)

 

Unsere Visionen, Ziele

Unsere Visionen, Ziele Unsere Grundlage ist die Verbundenheit mit der Anthroposophie Rudolf Steiners in Verbindung mit den Impulsen des Arztes und Heilpädagogen Karl König. Im Ergreifen dieser Impulse sieht sich die Camphill Dorfgemeinschaft Sellen als zugehörig zur weltweiten Camphill Bewegung. Die Anthroposophie umfasst einen Werte schaffenden, schöpferischen, forschenden Umgang mit der Natur, d. h. mit der Erde, den Pflanzen, dem Tier und dem Menschen. Die Dorfgemeinschaft als Einheit gliedert sich in Leben, Lernen und Arbeiten. Wir schaffen Lebensräume, die jedem Mitglied ein Zuhause geben. Wir wollen in Wohngemeinschaften das Miteinander von Jung und Alt pflegen, unabhängig von der persönlichen Hilfebedürftigkeit. Die individuelle Entwicklung des Einzelnen wird in der Gemeinschaft ermöglicht. Durch künstlerisches Tun und therapeutische Zuwendung wird jedem der Weg aus der Isolation in die Gemeinschaft erleichtert. Intensiv pflegebedürftige Menschen, Menschen im Alter sowie Menschen in Krisensituationen sollen zukünftig auch in der Gemeinschaft bleiben können. Dafür wollen wir mit alternativen Finanzierungskonzepten zusätzlich Wohnraum schaffen. Für Begegnung, Bildung und Kultur streben wir den Bau eines großen Saales an.

 

Unsere Aufgaben

Unsere Grundaufgabe ist es, seelenpflegebedürftigen erwachsenen Menschen ein Zuhause, Arbeit und berufliche Bildung in einer gleichzeitig ländlich und Stadt nah geprägten Dorfgemeinschaft zu geben. Für diese und mit ihnen bilden wir den Rahmen, den jeder für die Entfaltung seiner Individualität braucht. Durch unsere örtliche Lage am Stadtrand verbinden wir die Arbeit am Land mit ihren besonderen therapeutischen Vorzügen und die Vielfalt des gesellschaftlichen Lebens in der Stadt. Diese Verbindung ergibt sich durch drei Hausgemeinschaften, den Werkstattladen und das Werkstattgebäude in der Vorstadt einerseits, dazu die Hofanlage mit biologisch-dynamischer Landwirtschaft und Gärtnerei sowie fünf weiteren Hausgemeinschaften in der Bauernschaft Sellen andererseits. Durch das Leben in Hausgemeinschaften schaffen wir Begegnungen zwischen Menschen, die sich in ihren Fähigkeiten und Beeinträchtigungen im gegenseitigen Geben und Nehmen ergänzen dadurch zu Integration und Selbständigkeit beitragen. Jung und Alt, Hilfsbedürftige, Helfer, Mitarbeiter und deren Kinder bilden in ihrem Haus eine Schicksalsgemeinschaft.
In das Arbeitsleben wird jeder so eingebunden, dass die Ganzheit des Arbeitsprozesses für ihn erlebbar ist.
Unsere Aufgabe ist es, jedem eine Tätigkeit zu ermöglichen, in der er Lebenssinn und Lebensfreude findet und sich seine Eigenständigkeit und Gruppenfähigkeit entwickeln kann. Jede Tätigkeit soll eine fachlich qualifizierte Arbeit sein, die zu einem marktgenauen Produkt bzw. einer anerkannten Dienstleistung führt. Ergänzend zum theoretischen Unterricht trägt das Erlernen von praktischen Tätigkeiten für Teilnehmer der Berufsbildung dazu bei, verschiedene Berufsfelder kennenzulernen und das erworbene Wissen später in den Arbeitsbereichen der Camphill Werkstätten oder auf den allgemeinen Arbeitsmarkt einzusetzen. Vielfältige Kultur- und Therapieangebote sind ebenso wie die medizinische Versorgung Bestandteil unseres täglichen Lebens.

 

Unser Methoden

Wir strukturieren Tages-, Wochen- und Jahresrhythmen auch mit Feiern der christlichen Jahresfeste. In besonderen Lebenssituationen passen wir die Tagesstrukturen den individuellen Bedürfnissen an. Wir fördern und entwickeln Gesprächskultur mit Dörflern, Mitarbeitern, Eltern und Freunden über die normalen pflegerischen Bereiche hinaus. Kommunikation und Präsentation umfasst eine Einbindung des nachbarschaftlichen, politischen und anthroposophischen Umfeldes. Wir arbeiten aus dem Ansatz des anthroposophischen Menschenbildes heraus. Alle Abläufe und Arbeitsprozesse werden nachvollziehbar angelegt und durchgeführt. Wir fördern und pflegen Eigenverantwortung im Gestalten und Zusammenleben in der Hausgemeinschaft. Wir legen Wert auf Gestaltung unseres Wohnraumes und Umfeldes, auf gesunde Ernährung aus biologisch-dynamische Landwirtschaft und auf die Pflege des Kulturlebens. Wir schaffen ein Umfeld, in dem die Dörfler Sicherheit im Alltäglichen erlangen und ihre Lebenssituation individuell ergreifen können.

 

Unser Innenverhältnis

Unser gemeinsames Leben und Arbeiten in der Dorfgemeinschaft Sellen gestalten wir aus dem individuellen Umgang mit der Anthroposophie. Der Begriff „behindert“ erhält eine andere Bedeutung zugewiesen, da jede Individualität mit Begabungen und Einschränkungen lebt. Wir wollen unsere Fehler und Beschränkungen durch Selbstreflektion erkennen und an deren Überwindungen arbeiten. Mitverantworten, Mitsprache und Mitgestalten ist durch Selbstverwaltung für jedes Gemeinschaftsmitglied möglich. Durch eine bewusst gepflegte Gesprächskultur erhalten unsere Strukturen ihre Qualität. Im täglichen Leben schätzen wir einen humorvollen, höflichen Umgangston. Kollegiale, nicht hierarchische Zusammenarbeit wird durch Delegationsprinzip angestrebt. Regelmäßige Reflexion unserer Arbeit in Bezug auf das Leitbild ist in unserem sozialen Miteinander Richtung gebend. Dazu gehören Qualitätssicherungen, interne und externe Fortbildung, Austausch mit regionalen Einrichtungen der Behindertenhilfe und dem Verband für anthroposophische Heilpädagogik, Sozialtherapie und Soziale Arbeit sowie den Einrichtungen der Camphill Bewegung weltweit.

 

Nachsatz

Unser Leitbild wurde mit Hilfe eines externen Moderators von einem Kreis von siebzehn Mitarbeitern in vier zweitätigen Treffen zwischen November 2001 und März 2002 erarbeitet. Im Juli 2003 beschäftigte sich ein Kreis von Mitarbeitern und Eltern nochmals mit dem Leitbild. Im Herbst 2007 wurden geringfügige redaktionelle Änderungen erarbeitet und von der Dorfkonferenz verabschiedet. Im November 2015 wurde das Leitbild geringfügig um den Berufsbildungsbereich ergänzt und in der Leitungskonferenz verabschiedet.